Es gibt weder grosse Entwicklungen noch wahre Fortschritte auf dieser Erde, solange noch ein unglückliches Kind auf ihr lebt Albert Einstein, Mathematiker und Physiker (1879-1955).
Auftanken in den Familienferien
Mireille Lingg*
Nun sind sie endlich da, die lang ersehnten Ferien. Doch bis die Koffer gepackt sind, liegen bei den meisten Eltern die Nerven blank. Entsprechend sind die Erwartungen an die Ferien hoch. Endlich sind alle zusammen und geniessen jede einzelne Sekunde miteinander. Wir alle wissen, dass dem nicht so ist. Mit ganz kleinen Kindern sind Ferien eher das Gleiche wie zu Hause – nur unter schlechteren Rahmenbedingungen. Von echtem Ausspannen und Auftanken keine Rede. Damit Familienferien mit grösseren Kindern gelingen, sollten die Wünsche aller Mitglieder gleich respektiert werden. Schliesslich haben ALLE Ferien. Da heisst es, Abstriche beim elterlichen All-inclusive-Service in Kauf zu nehmen. Kinder dürfen auch einmal die Eltern bekochen oder sie einen spannenden Krimi lesen lassen. Die Familie muss ja auch nicht permanent wie Pech und Schwefel zusammenkleben, denn die Interessen sind nicht zwingend dieselben. So kann es sinnvoll sein, ab und zu verschiedene Wege zu gehen: die einen gehen ausgiebig shoppen, während die anderen auf einer schweisstreibenden Fahrradtour die Gegend erkunden. Diejenigen, die so richtig faulenzen wollen, sollen dies tun, bis ihnen die Langeweile buchstäblich zum Hals heraushängt, und dafür ein feines Abendessen für die unermüdlichen Aktivisten kochen. Oder jedes Familienmitglied darf einen ganzen Tag lang das Programm bestimmen. Ob zu Hause oder an einem fernen Ort – Familien können ein bisschen Pause vom durchorganisierten Alltag machen und alles ein wenig lockerer nehmen. So lernen sich alle wieder von einer anderen Seite kennen und erfahren Neues übereinander, etwa dass der Papi bei Eile mit Weile gar nicht gut verlieren kann und eine Weile mit saurem Gesicht durch die Gegend schlurft. So hatten wir ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis beim Aufstieg auf einen Vulkan. Österreicher, die auf unsere nicht vorhandenen schweizerischen Bergsteigerqualitäten bauten, hatten sich uns angeschlossen. Nachdem wir uns ohne erkenntlichen Weg, auf Händen (ich) und Füssen durch das Vulkangeröll nach oben gekämpft hatten, entpuppte sich unser Sohn, der Jüngste der Truppe, als echter Bergführer. Er fand mit sicherem Instinkt den besten Weg zum Krater.