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Es gibt weder grosse Entwicklungen noch wahre Fortschritte auf dieser Erde, solange noch ein unglückliches Kind auf ihr lebt
Albert Einstein, Mathematiker und Physiker (1879-1955).
Frächdaggs

Beobachten, wie Kinder lernen

Mireille Lingg*

In der letzten Kolumne habe ich Sie ermuntert, sich mindestens einmal täglich bewusst auf das persönliche Erleben und Verstehen Ihres Kindes einzustellen. Heute gehe ich noch einen Schritt weiter und schlage Ihnen vor, den Lernprozess Ihres Kindes systematisch zu beobachten. Wir wissen, dass ein Baby vom ersten Tag an viel Spass am Lernen hat. Es will nichts weiter, als neugierig und mit allen Sinnen die Welt entdecken. Unsere Aufgabe dabei ist es, dem Kind die Möglichkeiten für diese Lernerfahrungen zu bieten. Wie soll das gehen? Die Pädagogin Margaret Carr hat 2001 in Neuseeland ein Konzept über Bildungs- und Lerngeschichten von Kindern entwickelt. Carr geht von einem ganzheitlichen Lernverständnis aus, das soziale, emotionale und kognitive Lernaspekte integriert. Konkret bedeutet dies für uns Eltern, dass wir unser Kind in einer beliebigen Alltagssituation beobachten und den Blick dabei auf seine Fertigkeiten und allgemeinen Kompetenzen richten. Folgenden Punkten wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. 1. Sich interessieren: Wir schauen, woran ein Kind im Moment Interesse hat – zum Beispiel an Eisenbahnen. 2. Sich engagieren: sich einem bestimmten Thema widmen und sich damit identifizieren. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Ihr Kind widmet sich ausgiebig dem Bau einer Eisenbahnstrecke. 3. Trotz Schwierigkeiten an etwas dranbleiben: Ihr Kind sieht Probleme und entwickelt eigene Problemlösungen, zum Beispiel bei der Entgleisung der Lokomotive. 4. Sich mit anderen austauschen: Das Kind drückt seine Ideen und Gefühle aus und kann auch anderen Menschen zuhören. 5. Verantwortung übernehmen: Das Kind wirkt in der Gemeinschaft mit und begreift zum Beispiel, dass die Eisenbahn abgeräumt werden muss, damit man dort mal gründlich reinigen kann. Wenn Sie das Kind solchermassen beobachten, können Sie gemeinsam besprechen, welche individuelle Unterstützung und Herausforderung Ihr Kind braucht, um ihm ein leichtes Voranschreiten in seiner Entwicklung zu ermöglichen. Abschliessen möchte ich mit einem Zitat von Aristoteles: Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut. Und meine Ergänzung: Man lernt das leichter, was man gerne tut.

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