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Grosseltern sind Gold wert
Mireille Lingg*
Immer wieder erhalte ich von Grosseltern Rückmeldungen auf meine Kolumnen. Sie lesen die Beiträge mit einer gewissen Distanz, da sie ihren Erziehungsauftrag längst erfüllt haben. Als Grosseltern sind sie jedoch herausgefordert, sich mit gewissen Themen erneut auseinanderzusetzen, allerdings mit einem grösseren Erfahrungshintergrund und in einer anderen Rolle. Grosseltern verfügen über ein grosses Kapital an Lebenserfahrung und sind oft gelassener im Umgang mit den Kleinen, da sie nicht mehr die volle Verantwortung tragen. Grossväter, die früher aufgrund klar zementierter Rollenteilung – der Mann bringt das Geld heim, die Frau versorgt Kinder und Haushalt – das Aufwachsen ihrer Kinder zu grossen Teilen verpasst haben, geniessen das Zusammensein mit den Enkeln ganz besonders und erleben ihre Entwicklung hautnah. Damit die verschiedenen Generationen an einem Strang ziehen, gilt es allerdings einige Aspekte zu beachten. Wenn es nicht um existenzielle Fragen geht wie die Unterstützung eines alleinerziehenden Elternteils oder «Spezialeinsätze» bei der Geburt eines Geschwisters oder Krankheit, sollte die Betreuung der Enkel auf freiwilliger Basis geschehen. Grosseltern sollten keine Machtkämpfe um Erziehungsfragen anzetteln, sondern sich im Grossen und Ganzen an die Erziehungsgrundsätze der Eltern halten. Die Devise lautet: Nur keine Panik aufkommen lassen. Denn Grosseltern haben sehr viel Spielraum für Ausnahmen und klitzekleine Geheimnisse, die die Eltern NIEMALS erfahren werden. Bereits kleine Kinder sind durchaus in der Lage, zu differenzieren, was bei wem erlaubt ist und was eben nicht. Das Verwöhnen ist das Privileg der Grosseltern und das Nicht-Verwöhnen das Schicksal von uns Eltern. Kein Grund zu verzagen, wir Eltern werden hoffentlich auch einmal Grosseltern. Das ist der Kreislauf des Lebens. tagelang Canasta. Grosseltern sind ihren Enkeln gegenüber häufig geduldiger und gelassener als früher bei ihren Kindern. So liess etwa mein Vater mit seinem zweijährigen Enkel gewiss 50 Mal die Kugel durch die Gluggerbahn rollen. Und meine Grossmutter spielte mit mir, ohne zu Murren, stunden-, nein tagelang Canasta. Für Enkel ist es auch spannend, aus erster Hand Näheres über die Geschichte der Grosseltern zu erfahren. Meine Grossmutter erzählte mir etwa, dass die Leute früher, als es die ersten Züge mit Kohle gab, jedoch noch keine Glasfenster, nach der Fahrt glücklich, aber angeschwärzt aus dem Zuge stiegen. Grosseltern erhalten die einzigartige Chance, mit ihren Enkeln Neues auszuprobieren und sich gemeinsam auf Entdeckungsreise zu begeben. Mein Sohn durfte, wenn er mit meinem Vater unterwegs war, immer das nächste Tram auswählen; so liessen sich die beiden ziellos treiben und landeten an den wunderlichsten Orten im Raum Basel. Und das Beste am Schluss: Grosseltern haben immer Experten um sich herum, die sie nach den Finessen beim Gebrauch des Handys fragen können, das hält sie à jour und erst noch jung. |
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