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Es gibt weder grosse Entwicklungen noch wahre Fortschritte auf dieser Erde, solange noch ein unglückliches Kind auf ihr lebt
Albert Einstein, Mathematiker und Physiker (1879-1955).

Die spannenden, kleinen Dinge
Mireille Lingg
Erfahrung. Kürzlich, nach nächtlichem Schneefall, beobachtete ich ein kleines Mädchen, das mitten in der Stadt in einem winzigen Schneefeld sorgfältig Spuren in den Schnee stapfte. Als es gerade begeistert zurückschaute, um das Ergebnis zu betrachten, rief der Vater seine Tochter unwirsch auf das Trottoir zurück. Solche Situationen erlebe ich leider tagtäglich. Die Erlebniswelt vieler Kinder ist mehr und mehr eingeschränkt. Es fehlen ihnen ganz einfache und unmittelbare Erfahrungen. Mit dem fortschreitenden Medienkonsum lernen die Kinder vor allem die virtuelle Welt aus der Sicht von anderen kennen. Es sind sozusagen Secondhandkenntnisse. Viel förderlicher für die Entwicklung sind jedoch die eigenen Erfahrungen mit allen fünf Sinnen. Als unsere Kinder klein waren, sind wir im Frühling mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen sofort zusammen in die Wälder gezogen. Wir haben uns mit befreundeten Familien getroffen, und es war immer etwas los. Die Kinder, voller Erlebnisdrang, sind über knackende Zweige spaziert, in Pfützen herumgehüpft und wussten nachher, wie sich nasse Füsse anfühlen. Sie haben Löcher gebuddelt, Bächlein umgeleitet, sind über liegende Baumstämme balanciert und über duftende, farbenprächtig blühende Frühlingswiesen gerannt. Es wurden nicht unbedingt sinnvolle, jedoch sehr lustvolle Spiele erfunden. Zum Beispiel wurde hart darum gekämpft, wer eine Petflasche am weitesten werfen kann. Oder wir mussten uns als Mutprobe an einem Seil über einen Bach hangeln. Und wir haben es trotz unterschiedlicher Meinung von acht selbsterklärten Fachleuten immer wieder geschafft, ein Feuer zu entfachen. Diese unspektakulären Erfahrungen aus erster Hand, in der Schatzkammer Natur sind für die Gesamtentwicklung umso wertvoller, da die Kinder ihren Forscher- und Entdeckergeist unmittelbar mit all ihren Sinnen ausleben können.

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